Wer nach London reist, denkt nicht unbedingt an den Hanseverbund im 15. und 16. Jahrhundert. Derjenige, sich aber auf die Nordseite der Thames begibt, hat die Möglichkeit, ein paar Zeitzeugen zu finden (zumindest ein paar Schilder).

Der Londoner Stalhof bezeichnete seit 1475 ein umfriedetes etwa 7000 m² großes Gelände am Nordufer der Themse, auf dem die Hansekaufleute in London ihre Niederlassungen hatten. Seit dem frühen 11. Jahrhundert sind rheinische Kaufleute in London nachzuweisen, die hauptsächlich mit Wein handelten. 1175 erlangten einige Kölner Kaufleute durch Heinrich II Handelsprivilegien und begründeten eine gemeinsame Niederlassung an der Themse. Dieses Gebäude, die Guildhall (Zunfthaus) diente den zusammengeschlossenen Kaufleuten als Versammlungsort, Lager und für Wohnzwecke.

Um 1238 und 1260 wurden von Heinrich III. die Privilegien der Kaufleute bestätigt. Diese galten für alle deutschen Hansekaufleute in London. Die Haupthandelsgüter der deutschen Kaufleute wandelten sich. An Stelle des Weins traten vor allem Getreide und Tuche, die nach England importiert wurden.

1853 wurde das Gelände von den Hansestädten Lübeck, Bremen und Hamburg verkauft. Der Stiliard (Steelyard) wurde von der Cousin Lane im Westen, der Thames Street im Norden und der Allhallows Lane im Osten umgrenzt. Seit 1866 der Bahnhof Cannon Street eröffnet wurde, liegen auf dem Grundstück die Gleisanlagen zur Themsebrücke hin. Heute findet man also nur noch einen Uferweg, der sehr beliebt bei Joggern und Radlern ist und die Unterführung der Gleise. Ein Schild deutet in deutscher Sprache darauf hin, dass hier mal 400 hanseatische Kaufleute tätig waren.

“Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Und neues Leben blüht aus den Ruinen.” Schiller (Wilhelm Tell)

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